Vom guten Vorsatz zur klaren Strategie: 5 Denkschulen, die dein Business verändern können

5 Denkschulen, die dein Business verändern können

 

„Es ist nicht der stärkste der Spezies, der überlebt, auch nicht der intelligenteste – sondern derjenige, der sich am ehesten dem Wandel anpasst.“
(Charles Darwin)

Ich beschäftige mich seit Jahren damit, was Menschen und Unternehmen wirklich erfolgreich macht – nicht nur finanziell, sondern auch menschlich: Sinn, Wirkung, Gesundheit, Freiheit. Aus diesen Recherchen ist mein Buch „Authentisch erfolgreich“ entstanden, das letztes Jahr erschien.

Vor kurzem wurde ich dankenswerterweise von Marco Vogt auf Clayton M. Christensen aufmerksam gemacht. Das war der Impuls, die Denkschulen, die mir immer wieder begegnet sind – Mewes, Ries, Gassmann, Ferriss und eben Christensen – im Zusammenspiel zu betrachten. Denn jeder hält ein wichtiges Puzzleteil, gemeinsam ergeben sie ein sehr rundes, praxistaugliches und zukunftsfähiges Gesamtbild.

Wir leben in einer Zeit, in der sich Märkte schneller drehen als ein Karussell auf dem Gäubodenfest. Was gestern funktionierte, kann morgen schon Staub ansetzen. Die gute Nachricht: Du musst nicht bei null anfangen. Es gibt Vordenker, die das Terrain bereits vermessen haben – jeder mit eigener Perspektive, alle mit einem Ziel: Wachstum, Anpassungsfähigkeit und unternehmerische Freiheit.

In diesem Artikel stelle ich dir die Autoren vor, deren Konzepte sich nicht nur ergänzen, sondern zu einer kompletten Business- und Lebensstrategie verbinden lassen. Am Ende weißt du nicht nur in groben Zügen, was sie lehren – sondern wie du ihre Ideen sofort umsetzt.

1. Wolfgang Mewes – Der Engpass-Spezialist

Werk: Die Geheimnisse der erfolgreichen Unternehmensstrategie (diverse Ausgaben)
Kernthese: Fokussiere alle Kräfte auf den größten Engpass einer klar definierten Zielgruppe – und werde darin unschlagbar.

Mewes’ Ansatz, die EKS®-Strategie (Engpasskonzentrierte Strategie), ist wie ein Brennglas: Statt Sonnenstrahlen auf viele Punkte zu verteilen, bündelst du sie auf einen einzigen Brennpunkt – und zündest dort den Erfolg.

Er empfiehlt:

  • Eine glasklare Zielgruppe zu definieren.
  • Deren größten Schmerzpunkt zu identifizieren.
  • Dein Angebot so zu gestalten, dass es diesen Engpass besser als jeder andere löst.

Reflexionsfrage: Kennst du den einen Engpass, der deine Zielgruppe nachts wachhält?

2. Clayton M. Christensen – Der Disruptions-Denker

Werk: The Innovator’s Dilemma (1997), The Innovator’s Solution, Competing Against Luck
Kernthese: Die gefährlichsten Wettbewerber sind nicht die, die dir ähneln, sondern die, die Märkte von unten neu aufrollen – oft mit einfacheren, günstigeren, „schlechteren“ Lösungen, die plötzlich den Mainstream erobern.

Christensen gibt uns die „Jobs to Be Done“-Brille: Kunden „mieten“ ein Produkt, um eine Aufgabe zu erledigen. Wer diese Aufgabe versteht, kann revolutionärere Lösungen schaffen. Er beschreibt „Jobs to Be Done“ etwa so: Kunden kaufen kein Produkt an sich, sondern „mieten“ es, um einen bestimmten Job in ihrem Leben zu erledigen.
Praxisnah heißt das: Du musst herausfinden, welche Aufgabe dein Kunde tatsächlich lösen will – oft steckt dahinter ein tieferer Auslöser als der offensichtliche Produktnutzen. Beispiel: Niemand will eine Bohrmaschine um der Bohrmaschine willen, sondern ein Loch in der Wand – oder noch genauer: ein Bild aufhängen, um ein Zuhause gemütlicher zu machen. Umsetzungsschritte:

  1. Kundeninterviews führen, die auf Situationen, Auslöser und gewünschte Ergebnisse abzielen („Wann genau ist das Problem aufgetreten?“).
  2. Beobachten, welche Alternativen sie bisher nutzen.
  3. Angebot so gestalten, dass es diesen Job einfacher, schneller oder angenehmer erfüllt als jede Alternative – und genau das im Marketing kommunizieren.

Er mahnt:

  • Neue Technologien früh prüfen.
  • Kleine, unscheinbare Nischen ernst nehmen.
  • Disruptive Ideen getrennt vom Kerngeschäft entwickeln, um nicht von alten Strukturen gebremst zu werden.

Reflexionsfrage: Was wäre, wenn du dein eigenes Geschäft disruptierst, bevor es jemand anderes tut?

3. Eric Ries – Der Test- und Lernmeister

Werk: The Lean Startup (2011)
Kernthese: Starte klein, teste schnell, lerne stetig – bevor du groß investierst.

Ries’ Build–Measure–Learn-Zyklus ist wie ein Fitnessplan für Ideen: Du trainierst in kurzen Intervallen, misst den Fortschritt und passt den Plan an.
Sein Schlüsselwerkzeug: das Minimum Viable Product (MVP) – die kleinste Version deiner Idee, mit der du eine Hypothese prüfen kannst.

Er betont:

  • Echte Kundendaten statt Bauchgefühl.
  • Pivot oder Persevere: Kurs wechseln oder beibehalten, basierend auf Ergebnissen.
  • Risiko klein halten durch Mini-Experimente.

Reflexionsfrage: Was könntest du schon nächste Woche testen, um eine deiner Annahmen zu prüfen?

4. Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger & Michaela Csik – Die Musterbrecher

Werk: Geschäftsmodelle entwickeln – 55+ innovative Konzepte mit dem Business Model Navigator
Kernthese: Innovation heißt oft nicht, das Rad neu zu erfinden – sondern bekannte Geschäftsmodellmuster aus anderen Branchen neu zu kombinieren.

Sie definieren vier Dimensionen jedes Geschäftsmodells:

  1. Wer? – Zielkunden
  2. Was? – Nutzenversprechen
  3. Wie? – Wertschöpfung
  4. Wert? – Ertragsmodell

Und: 90 % aller Innovationen sind Rekombinationen. Das ist wie Kochen: Du hast die gleichen Zutaten wie andere – entscheidend ist, wie du sie mischst.

Reflexionsfrage: Aus welcher völlig anderen Branche könntest du ein Erfolgsrezept für dich adaptieren?

5. Timothy Ferriss – Der Freiheitsarchitekt

Werk: Die 4-Stunden-Woche (2007)
Kernthese: Gestalte dein Business so, dass es dir Freiheit ermöglicht – durch Fokus, Automatisierung und ortsunabhängige Strukturen.

Ferriss bringt das DEAL-Prinzip:

  • Definition: Kläre, wie dein ideales Leben aussieht.
  • Elimination: Streiche alles Unnötige (80/20-Regel).
  • Automation: Prozesse und Einkommen automatisieren.
  • Liberation: Ortsunabhängig arbeiten.

Er ist wie ein Architekt, der erst den Traumplan zeichnet, bevor er das Fundament gießt.

Reflexionsfrage: Arbeitest du gerade an deinem Traumleben – oder nur in deinem Tagesgeschäft?

Wie sich die fünf Denkschulen perfekt ergänzen

„Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh mit anderen.“
(Afrikanisches Sprichwort)

Jeder der fünf Autoren bringt ein Puzzleteil mit – erst in Kombination ergibt sich das vollständige Bild:

  • Mewes gibt dir den Laserfokus: Engpass + Zielgruppe.
  • Christensen liefert die Innovationsperspektive: Disruption und „Jobs to Be Done“.
  • Ries bringt den Werkzeugkasten zum Testen: MVPs, Build – Measure – Learn.
  • Gassmann strukturiert das Geschäftsmodell: 4 Dimensionen + Muster.
  • Ferriss sorgt für Effizienz und Freiheit: Eliminieren, Automatisieren, Ortsunabhängigkeit.

Bildlich gesprochen:
Mewes zeigt dir den Gipfel, Christensen den besten Aufstiegspfad, Ries lässt dich unterwegs Ausrüstung testen, Gassmann sorgt für die richtige Routenplanung – und Ferriss macht sicher, dass dein Rucksack leicht und effizient gepackt ist.

Die gemeinsame Strategie in 5 Schritten

Hier kommt die praxisnahe Kombi-Anleitung, die die Stärken aller fünf zusammenführt:

Schritt 1 – Fokus finden (Mewes + Christensen + Gassmann)

  • Definiere deine Zielgruppe messerscharf.
  • Identifiziere deren größten Engpass – nicht irgendein Problem, sondern das Problem, das sie am meisten bremst.
  • Nutze „Jobs to Be Done“, um zu verstehen, warum sie dein Angebot „mieten“ würden.
  • Formuliere eine glasklare Value Proposition (Nutzenversprechen).

Praxis-Tipp: Sprich mit 10 echten Kunden. Frage: „Was ist das Nervigste an Ihrer aktuellen Situation?“ und „Wann haben Sie zuletzt versucht, dieses Problem zu lösen?“

Schritt 2 – Ideen entwickeln (Christensen + Gassmann)

  • Prüfe, ob der Engpass mit einer vereinfachten oder disruptiven Lösung gelöst werden kann.
  • Suche in Gassmanns 55+ Mustern nach Ideen, die in anderen Branchen funktionieren
  • Klein anfangen, groß denken: Welche Nischen kannst du zuerst erobern?

Praxis-Tipp: Liste drei Branchen auf, die mit deiner nichts zu tun haben. Finde je ein Geschäftsmodellmuster und frage dich: „Wie könnte das in meiner Branche aussehen?“

Schritt 3 – Schnell testen (Ries + Ferriss + Christensen)

  • Baue ein MVP (Minimum Viable Product) – die kleinstmögliche Version deiner Lösung.
  • Teste in einer kleinen, kontrollierten Zielgruppe.
  • Miss Verhalten, nicht Meinungen.
  • Entscheide: Pivot (Richtung ändern) oder Persevere (dranbleiben).

Praxis-Tipp: Nutze Landingpages, Prototypen oder Simulationen, um Nachfrage zu prüfen, bevor du Zeit und Geld ins Endprodukt steckst.

Schritt 4 – Strukturen schaffen (Mewes + Ferriss + Christensen)

  • Bündle Ressourcen auf das funktionierende Modell.
  • Eliminiere unnötige Aufgaben (80/20-Regel).
  • Automatisiere wiederkehrende Prozesse.
  • Halte Innovationsprojekte getrennt vom Kerngeschäft, um Bürokratie zu vermeiden.

Praxis-Tipp: Schreibe eine Liste mit allen wiederkehrenden Aufgaben. Markiere, was du streichen, automatisieren oder auslagern kannst – und setze eine Frist für die Umsetzung.

Schritt 5 – Zukunft sichern (Mewes + Christensen + Gassmann)

  • Überprüfe den Engpass deiner Zielgruppe regelmäßig.
  • Beobachte neue Technologien, Markttrends und Nischen.
  • Passe dein Geschäftsmodell an, bevor der Markt dich zwingt.

Praxis-Tipp: Plane quartalsweise einen „Zukunftstag“ ein: Vormittags: Markt- und Technologietrends scannen – Nachmittags: Geschäftsmodell auf Lücken und Chancen prüfen.

Warum diese Kombination so stark ist

„Pläne sind nichts, Planung ist alles.“
(Dwight D. Eisenhower)

Das Zusammenspiel der fünf Ansätze hat drei große Vorteile:

  1. Klarheit – Du weißt genau, für wen du arbeitest und warum.
  2. Schnelligkeit – Du testest früh und lernst ständig.
  3. Resilienz – Dein Modell ist flexibel genug, um auf Veränderungen zu reagieren.

Keiner der Ansätze allein deckt alle drei Bereiche vollständig ab – aber zusammen bilden sie ein unternehmerisches „Schutzschild“ und zugleich einen Wachstumsmotor.

Dein nächster Schritt

Mach es nicht kompliziert – fang heute mit einem dieser Punkte an:

  1. Schreibe deinen einen größten Kunden-Engpass auf.
  2. Überlege, welcher Job to Be Done dahinter steckt.
  3. Entwickle eine Mini-Idee und teste sie in den nächsten 14 Tagen.

„Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist heute.“
(Chinesisches Sprichwort)

Schlussgedanke

Diese fünf Autoren sind wie fünf erfahrene Bergführer. Jeder kennt einen anderen Weg zum Gipfel – und jeder allein bringt dich weit. Aber wenn du ihre Routen kombinierst, hast du einen Plan, der sicher, flexibel und zukunftsfähig ist. Dein Business kann damit nicht nur überleben, sondern blühen – egal wie rau der Wind am Markt weht. Jetzt liegt es an dir, die ersten Schritte zu setzen.

 

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