Finanzplanung für Unternehmensgründer
Warum sie scheitert – und wie sie wirklich hilft
Finanzplanung gehört zu den Themen, die viele Gründer möglichst schnell „abhaken“ wollen. Ein paar Tabellen, ein paar Annahmen, einmal zur Bank – fertig. Genau hier liegt das Problem. Denn eine Finanzplanung ist kein Formular, sondern ein Denkprozess. Wer sie als Pflichtübung versteht, baut sich im Zweifel eine saubere Illusion.
Die gute Nachricht: Es gibt nicht die eine richtige Vorlage für einen Finanzplan. Die schlechte: Genau deshalb sind viele Vorlagen gefährlich. Wer bei Google „Finanzplan Muster“ eingibt, findet hunderte Excel-Dateien – oft sauber gestaltet, selten durchdacht. Viele davon rechnen korrekt, aber stellen die falschen Fragen. Und fast keine erklärt, was die Zahlen bedeuten und welche Entscheidungen daraus folgen.
Ein guter Finanzplan beantwortet nicht nur, ob dein Unternehmen theoretisch funktioniert, sondern unter welchen Bedingungen – und was passiert, wenn diese Bedingungen nicht eintreten.
Finanzplanung ist keine Buchhaltung – und auch kein Tool
Bevor wir ins Detail gehen, eine wichtige Klarstellung: Buchhaltungssoftware ist kein Finanzplanungsinstrument. Sie dokumentiert Vergangenes. Finanzplanung modelliert Zukunft.
Programme wie lexoffice oder sevDesk können im laufenden Betrieb hilfreich sein, um Einnahmen, Ausgaben und offene Posten im Blick zu behalten. Für die eigentliche Gründungs- und Aufbauplanung – mit Szenarien, Anlaufphasen, Kapitalbedarf und Steuerentwicklung – sind sie nicht gemacht. Wer versucht, seine Planung dort abzubilden, landet meist in Kompromissen oder Scheingenauigkeit.
In der Praxis ist die Finanzplanung junger Unternehmen in Deutschland deshalb fast immer so aufgebaut:
- Planung: Excel oder Google Sheets, individuell modelliert
- Buchhaltung: separates System, oft in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater
- Liquiditätssteuerung: entweder im Excel oder über spezialisierte Cashflow-Tools
Das ist nicht elegant, aber bewährt.
Was ein bankfähiger Finanzplan leisten muss
Ein Finanzplan ist dann belastbar, wenn er drei Dinge gleichzeitig kann: plausibel erklären, wie Umsatz entsteht; realistisch abbilden, welche Kosten wann anfallen; und zeigen, ob und wann Liquidität kritisch wird.
Alles andere ist Beiwerk. Ein bankfähiger Finanzplan folgt deshalb einer klaren inneren Logik – unabhängig davon, welches Tool du nutzt.
1. Umsatzplanung: Wo Geld wirklich herkommt
Die Umsatzplanung ist der sensibelste Teil – und der, bei dem am meisten geschönt wird. Dabei ist sie im Kern simpel: Umsatz entsteht entweder durch Zeit, Stückzahl oder Nutzung.
Als Gründer solltest du dir zuerst beantworten, welche Logik bei dir gilt:
- Freiberufler, Berater, Coaches: Zeit × Preis × Auslastung
- Handel und Produkte: Stückzahl × Verkaufspreis × Absatzgeschwindigkeit
- Digitale Modelle: Nutzer × Conversion × Durchschnittserlös
Erst wenn diese Logik klar ist, machen Zahlen Sinn. Was fast immer unterschätzt wird: die Anlaufzeit bis zum ersten relevanten Umsatz, Schwankungen über das Jahr sowie nicht fakturierbare Zeit für Akquise, Administration oder Krankheit.
Ein realistischer Umsatzplan beginnt deshalb nicht mit Wunschzahlen, sondern mit Kapazitäten. Wie viele abrechenbare Stunden oder verkaufbare Einheiten sind realistisch? Und was passiert, wenn du davon nur 60 oder 70 Prozent erreichst?
2. Kostenplanung: Mehr als Fixkosten und Miete
Kosten werden gerne unterschätzt – nicht aus Leichtsinn, sondern weil viele erst sichtbar werden, wenn das Unternehmen läuft.
Eine saubere Kostenplanung trennt mindestens vier Ebenen:
- Betriebskosten: Miete, Software, Versicherungen, Kommunikation
- Personalkosten: Angestellte, freie Mitarbeit, Mini-Jobs, Lohnnebenkosten
- Direkte Kosten: Material, Wareneinsatz, Produktionskosten
- Private Ebene: Lebenshaltung, Krankenversicherung, Steuern, Vorsorge
Gerade der letzte Punkt wird häufig ausgeblendet. Das ist ein Fehler. Denn wenn dein Unternehmen deinen privaten Bedarf nicht decken kann, ist es wirtschaftlich nicht tragfähig – egal wie gut die Zahlen aussehen.
Wichtig ist auch die korrekte Einordnung: Bei Kapitalgesellschaften ist das Geschäftsführergehalt eine Betriebsausgabe. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften läuft die Entnahme privat. Das verändert die Darstellung – aber nicht die Realität.
3. Investitionen und Gründungskosten: Der stille Kapitalfresser
Investitionen sind nicht nur Maschinen oder Fahrzeuge. Auch Software, Ausstattung, Weiterbildungen oder der Ausbau von Arbeitsplätzen gehören dazu. Ebenso alle Kosten, die vor dem ersten Euro Umsatz anfallen: Beratung, Anmeldung, Businessplan, Marketingvorlauf.
Der häufigste Fehler: Gründer rechnen diese Kosten sauber – vergessen aber, dass sie keine Liquidität erzeugen. Sie binden Kapital, bevor das Unternehmen trägt.
Deshalb gehören Investitionen immer im Zusammenhang mit der Liquiditätsplanung betrachtet – nicht isoliert.
4. Kapitalbedarf: Die ehrliche Rechnung
Der Kapitalbedarf ergibt sich nicht aus einer einzelnen Zahl, sondern aus der Kombination von Anlaufverlusten, Investitionen, laufenden Kosten und vorhandenen Eigenmitteln.
Entscheidend ist nicht, wie viel Kapital du gern hättest, sondern wie viel du brauchst, um handlungsfähig zu bleiben, bis dein Unternehmen trägt.
Eine solide Planung rechnet hier nicht auf Kante, sondern mit Puffer. Zehn bis zwanzig Prozent Reserve sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.
5. Rentabilitätsrechnung: Rechnet sich das überhaupt?
Die Rentabilitätsrechnung zeigt auf Jahresbasis, ob dein Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert. Sie beantwortet die Frage, ob nach Abzug aller Kosten ein Überschuss bleibt – und wie stabil dieser ist.
Hier kommen Kennzahlen ins Spiel wie Deckungsbeitrag, Fixkostendeckung und Break-even. Diese Zahlen sind weniger für Banken wichtig als für dich selbst. Sie zeigen, wo dein Modell empfindlich ist: beim Preis, bei der Auslastung oder bei der Kostenstruktur.
6. Liquiditätsplanung: Entscheidend, nicht optional
Liquidität entscheidet nicht über Erfolg, sondern über Überleben. Viele Unternehmen sind rechnerisch profitabel – und trotzdem zahlungsunfähig.
Eine Liquiditätsplanung führt alle bisherigen Annahmen zusammen und zeigt, wann Geld eingeht, wann Geld abgeht und wie sich der Kontostand entwickelt.
Gerade im ersten Jahr sollte diese Planung monatlich erfolgen. Dass hier zeitweise ein Minus steht, ist normal. Gefährlich wird es nur, wenn du es zu spät siehst.
Typische Fehler – und warum sie immer wieder passieren
Fast alle Fehler in Finanzplänen haben dieselbe Ursache: Wunschdenken. Zu optimistische Umsätze, zu knappe Puffer, vergessene Steuern oder fehlende private Kosten. Banken erkennen das sofort – Gründer oft erst Monate später.
Ein guter Finanzplan ist nicht schön, sondern belastbar. Er hält auch kritischen Nachfragen stand, weil Annahmen begründet sind und Zahlen zusammenpassen.
Fazit: Finanzplanung ist ein Führungsinstrument
Ein Finanzplan bringt keine Sicherheit. Aber er bringt Orientierung. Er zwingt dich, Entscheidungen bewusst zu treffen – statt sie dem Zufall zu überlassen.
Ob du mit Excel arbeitest, mit professionellen Vorlagen oder ergänzenden Liquiditäts-Tools, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass du deinen Finanzplan verstehst, regelmäßig überprüfst und als Steuerungsinstrument nutzt. Wer das tut, hat keinen perfekten Plan – aber einen, der trägt.
Quellen
Für diesen Beitrag haben wir unter anderem hier recherchiert:
- Eigene Unterlagen: Checklisten Finanzplanung (1 und 2), Hauptkostenarten, Gewinnplanung
- Finanzchef24 – Gründerwissen Finanzplan: finanzchef24.de
- KfW-Gründungsmonitor 2024 – Statistik zu Gründungserfolgen und -risiken
- Statista – Unternehmensgründungen und Finanzierungsquellen in Deutschland