Dropshipping 2026: Lohnt sich das Geschäftsmodell noch?
Ein eigener Online-Shop ohne Lager, ohne große Warenbestände und ohne selbst Pakete verschicken zu müssen: Genau das macht Dropshipping für Gründer und kleine Unternehmen auf den ersten Blick attraktiv. Das Prinzip funktioniert auch 2026 noch. Allerdings hat sich der Markt deutlich verändert.
Dropshipping ist heute weniger eine einfache Abkürzung zum eigenen Online-Geschäft als vielmehr eine besondere Form der Warenbeschaffung und Auftragsabwicklung. Sie kann sinnvoll sein – vorausgesetzt, Produkte, Lieferanten, Kalkulation und rechtliche Rahmenbedingungen stimmen.
Was ist Dropshipping?
Beim Dropshipping verkauft ein Online-Händler Produkte, die er nicht selbst auf Lager hält. Bestellt ein Kunde im Shop, wird der Auftrag an einen Großhändler, Hersteller oder spezialisierten Dropshipping-Anbieter weitergegeben. Dieser verschickt die Ware direkt an den Kunden.
Für den Käufer bleibt jedoch grundsätzlich der Betreiber des Shops der Vertragspartner. Dass Lagerung und Versand von einem anderen Unternehmen übernommen werden, ändert daran nichts.
Der Händler spart sich damit Lagerhaltung und einen großen Teil der Versandlogistik. Ausgelagert wird allerdings nur die Logistik – nicht die unternehmerische Verantwortung.
Was spricht für Dropshipping?
Der größte Vorteil liegt nach wie vor im geringeren Kapitalbedarf. Produkte müssen nicht zunächst in größeren Mengen gekauft und eingelagert werden.
Das ermöglicht es beispielsweise, ein Sortiment aufzubauen oder neue Produktgruppen zu testen, bevor größere Mengen bestellt werden.
Weitere Vorteile können sein:
- keine oder nur geringe eigene Lagerbestände
- vergleichsweise einfache Erweiterung des Sortiments
- weniger Aufwand für Lager und Versand
- Produkte können zunächst mit überschaubarem finanziellen Einsatz getestet werden
- das Modell lässt sich später mit eigenem Lager, eigenen Produkten oder einer eigenen Marke kombinieren
Gerade der letzte Punkt ist interessant: Dropshipping muss nicht das endgültige Geschäftsmodell sein. Es kann auch dazu dienen herauszufinden, welche Produkte tatsächlich funktionieren.
Was hat sich beim Dropshipping verändert?
Vor einigen Jahren wurde Dropshipping häufig nach einem einfachen Muster betrieben: Shopify-Shop eröffnen, Produkte über Oberlo von AliExpress importieren, Werbung schalten und die Ware direkt aus China an den Kunden schicken lassen.
So einfach ist die Rechnung heute nicht mehr.
Oberlo wurde bereits 2022 eingestellt. Stattdessen gibt es inzwischen eine größere Zahl unterschiedlicher Anbieter und Schnittstellen. Dazu gehören beispielsweise DSers, Syncee, Spocket, Zendrop oder – innerhalb des Shopify-Ökosystems – Shopify Collective.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, woher die Produkte stammen und wohin sie geliefert werden sollen.
Vor allem Lieferanten mit Lagern innerhalb der EU sind für deutsche Händler interessanter geworden. Kürzere Lieferzeiten, einfachere Retouren und besser nachvollziehbare Produktinformationen können wichtiger sein als der niedrigste Einkaufspreis.
Warum das klassische China-Dropshipping schwieriger geworden ist
Der Direktversand günstiger Produkte aus China war lange ein Kern des Dropshipping-Booms. Genau dieses Modell ist inzwischen problematischer.
Seit dem 1. Juli 2026 ist die bisherige Zollbefreiung für Sendungen bis 150 Euro abgeschafft. Für entsprechende Kleinsendungen gilt übergangsweise unter bestimmten Voraussetzungen ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenposition.
Die Einfuhrumsatzsteuer war bereits zuvor grundsätzlich auch bei kleinen Warenwerten relevant. Für Sendungen bis 150 Euro kann das IOSS-Verfahren die steuerliche Abwicklung vereinfachen.
Bei einem Produkt, das nur wenige Euro kostet, sind zusätzliche drei Euro erheblich. Das Geschäftsmodell „sehr billig in Asien einkaufen und mit hohem Aufschlag in Europa verkaufen“ wird dadurch nicht unmöglich, aber deutlich weniger attraktiv.
Hinzu kommen Lieferzeiten, Retouren und Fragen der Produktsicherheit.
Produktsicherheit ist Sache des Händlers
Ein besonders wichtiger Punkt wird in vielen älteren Dropshipping-Ratgebern kaum erwähnt: Wer Produkte an Verbraucher verkauft, kann sich nicht darauf berufen, dass ein Lieferant irgendwo in Asien die Ware hergestellt und verschickt hat.
Seit Dezember 2024 gilt in der EU die neue Produktsicherheitsverordnung GPSR. Für online angebotene Verbraucherprodukte gelten umfassende Anforderungen an Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und Produktinformationen.
Produktangebote müssen unter anderem die notwendigen Angaben zum Hersteller enthalten. Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, können zusätzliche Angaben zu einem verantwortlichen Wirtschaftsakteur innerhalb der EU erforderlich sein. Auch Warn- und Sicherheitsinformationen müssen gegebenenfalls bereits im Online-Angebot erscheinen.
Für Dropshipping bedeutet das: Ein Produkt nur deshalb in den Shop zu übernehmen, weil es sich bei AliExpress oder einer anderen Plattform gut verkauft, reicht nicht.
Der Händler muss wissen, was er verkauft.
Auch Widerruf und Gewährleistung bleiben beim Händler
Für den Kunden spielt es zunächst keine Rolle, wer das Paket verschickt hat. Sein Vertrag besteht mit dem Händler.
Verbraucher haben bei Online-Käufen grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Für mangelhafte Ware gelten außerdem die gesetzlichen Gewährleistungsregeln.
Für deutsche Online-Händler ist seit dem 19. Juni 2026 zusätzlich die elektronische Widerrufsfunktion zu beachten. Verbraucher müssen einen online abgeschlossenen Vertrag auf entsprechend einfache Weise elektronisch widerrufen können.
Problematisch wird Dropshipping deshalb besonders dann, wenn ein Lieferant zwar zuverlässig Ware verschickt, aber keine brauchbare Lösung für Reklamationen und Rücksendungen bietet.
Eine Rücksendung eines günstigen Artikels nach China kann das gesamte Geschäftsmodell schnell unwirtschaftlich machen.
Auch Verpackungspflichten prüfen
Wer Produkte in Deutschland vertreibt, sollte außerdem das Verpackungsrecht berücksichtigen. Welche Pflichten konkret bestehen, hängt davon ab, wer die Verpackung erstmals gewerbsmäßig in Deutschland in Verkehr bringt.
Auch Dropshipping-Verkäufer können Prüfpflichten hinsichtlich ihrer Geschäftspartner haben.
Bei Elektrogeräten, Batterien und bestimmten anderen Produktgruppen kommen weitere gesetzliche Anforderungen hinzu. Gerade für Einsteiger sind deshalb einfache, rechtlich und technisch wenig problematische Produktgruppen meist die bessere Wahl.
Welche Plattformen und Dienste sind heute interessant?
Shopify ist weiterhin eine verbreitete Lösung für den Aufbau eines eigenen Shops. Daneben lässt sich Dropshipping selbstverständlich auch mit anderen Shopsystemen realisieren.
Für die Verbindung zwischen Shop und Lieferanten gibt es unterschiedliche Dienste:
DSers ist insbesondere für die Anbindung von AliExpress bekannt und wurde nach dem Ende von Oberlo zu einem wichtigen Nachfolger.
Syncee vermittelt internationale Lieferanten und Marken und bietet auch Liefermöglichkeiten aus Europa.
Spocket konzentriert sich unter anderem auf Lieferanten aus Europa und den USA und kann interessant sein, wenn kurze Lieferwege wichtiger sind als der niedrigste Einkaufspreis.
Zendrop verbindet Produktbeschaffung und automatisierte Bestellabwicklung und bietet teilweise zusätzliche Möglichkeiten zur Individualisierung.
Shopify Collective ermöglicht geeigneten Shopify-Händlern, Produkte anderer Shopify-Marken in das eigene Sortiment aufzunehmen.
AliExpress bleibt grundsätzlich eine mögliche Bezugsquelle. Für einen Shop, der dauerhaft Vertrauen aufbauen soll, würde ich mich heute aber nicht mehr ausschließlich darauf verlassen.
Die entscheidende Frage ist nicht das Shopsystem
Ein Shop lässt sich heute technisch relativ schnell erstellen. Das ist aber nicht der schwierige Teil.
Die entscheidenden Fragen lauten:
- Wer soll das Produkt kaufen?
- Warum sollte diese Person gerade hier bestellen?
- Was unterscheidet das Angebot von Amazon, Temu, eBay und zahlreichen anderen Shops?
- Wie hoch ist der tatsächliche Deckungsbeitrag nach Einkauf, Versand, Zahlungsgebühren, Retouren, Werbung, Steuern und sonstigen Kosten?
- Würde man das Produkt selbst guten Gewissens einem Kunden empfehlen?
Wer diese Fragen nicht überzeugend beantworten kann, hat noch kein tragfähiges Geschäftsmodell – sondern zunächst nur einen Online-Shop.
Die Kalkulation entscheidet
Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich Einkaufspreis und Verkaufspreis miteinander zu vergleichen.
Ein Produkt für 10 Euro einzukaufen und für 30 Euro zu verkaufen bedeutet nicht, 20 Euro zu verdienen.
Abgezogen werden müssen je nach Geschäftsmodell unter anderem:
- Einkaufspreis
- Versandkosten
- Zoll und Einfuhrkosten
- Zahlungsgebühren
- Shopkosten
- Werbung
- Retouren
- Reklamationen und Erstattungen
- Steuern
- weitere laufende Kosten
Gerade die Kosten für die Kundengewinnung können darüber entscheiden, ob ein scheinbar attraktives Produkt tatsächlich profitabel ist.
So würde ich heute mit Dropshipping starten
Statt hunderte beliebige Trendprodukte in einen Shop zu importieren, würde ich genau umgekehrt vorgehen.
Zuerst steht eine klar definierte Zielgruppe oder ein konkretes Problem. Danach wird nach wenigen passenden Produkten gesucht.
Von interessanten Produkten sollten zunächst Muster bestellt und selbst geprüft werden. Gleichzeitig sollten Lieferzeiten, Retourenadresse, Produktkennzeichnung, Herstellerinformationen und rechtliche Voraussetzungen geklärt werden.
Erst anschließend lohnt es sich, einen Shop aufzubauen und mit überschaubarem Budget zu testen, ob tatsächlich Nachfrage besteht.
- Zielgruppe und konkreten Bedarf bestimmen.
- Drei bis zehn passende Produkte auswählen.
- Lieferanten möglichst innerhalb der EU bevorzugen oder Drittlandslieferungen genau prüfen.
- Muster bestellen und selbst testen.
- Produktsicherheit und erforderliche Kennzeichnungen prüfen.
- Sämtliche Kosten realistisch kalkulieren.
- Retouren und Reklamationen vor dem Verkaufsstart klären.
- Zunächst mit kleinem Sortiment starten.
- Nachfrage testen und Zahlen auswerten.
- Erfolgreiche Produkte später gegebenenfalls selbst lagern oder unter eigener Marke anbieten.
Ist Dropshipping 2026 noch sinnvoll?
Ja – aber aus einem anderen Grund, als viele ältere Ratgeber suggerieren.
Dropshipping ist kein einfacher Weg zu schnellem Einkommen. Der große Vorteil besteht vielmehr darin, Produkte und Märkte testen zu können, ohne sofort größere Warenbestände aufzubauen.
Besonders interessant kann das Modell sein, wenn zuverlässige Lieferanten innerhalb Deutschlands oder der EU gefunden werden, Lieferzeiten kurz bleiben und Händler ein klar positioniertes Angebot für eine bestimmte Zielgruppe entwickeln.
Weniger attraktiv ist das klassische Modell aus austauschbaren Trendprodukten, langen Lieferzeiten aus China und hauptsächlich über bezahlte Werbung gewonnenen Kunden.
Dropshipping reduziert das Lagerrisiko. Es ersetzt aber weder ein gutes Geschäftsmodell noch eine vernünftige Kalkulation und schon gar nicht die Verantwortung eines Händlers.
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Union – E-Commerce und Fernabsatz
- EUR-Lex – EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR
- EUR-Lex – Neuregelung der Zölle auf Kleinsendungen
- IHK Regensburg – Informationspflichten und Widerruf im Online-Handel
- Zentrale Stelle Verpackungsregister – Prüfung des Registrierungsstatus
- Shopify – Dropshipping-Anbieter und Lieferanten