MeetWoch im TGZ Straubing: Gründen, führen, vernetzen





Am Mittwochabend war ich beim MeetWoch im Technologie- und Gründerzentrum im Hafen Straubing-Sand. Schon der Name ist gut: MeetWoch – ein kleines Wortspiel aus Meeting und Mittwoch. Nicht überinszeniert, nicht künstlich groß gemacht, sondern einfach passend für eine Veranstaltung, bei der es vor allem um Begegnung geht. Und genau das war auch der Wert des Abends.

Der MeetWoch richtet sich an Gründerinnen und Gründer, Start-ups, Selbstständige, Gründungsinteressierte und Menschen aus der regionalen Wirtschaft. Am 13. Mai 2026 fand die Veranstaltung im Technologie- und Gründerzentrum, Europaring 4 in Straubing, statt. Geboten waren Austausch, Impulse, Informationen, Getränke, Snacks, Smoothiebar und vor allem die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Was mir daran gefällt: Es war kein Format mit Pitch-Zwang, Selbstdarstellungsdruck oder Business-Theater. Eher ein offener Rahmen für Menschen, die etwas vorhaben, etwas aufbauen, etwas verändern oder einfach Anschluss an die regionale Gründer- und Unternehmerszene suchen. Solche Veranstaltungen sind wichtig, gerade in einer Region wie Straubing. Denn Gründung und Selbstständigkeit passieren oft nicht auf der großen Bühne, sondern an vielen kleinen Stellen: in Büros, Werkstätten, Agenturen, Praxen, Ateliers, Homeoffices und nebenberuflichen Anfängen.

Wer gründet, braucht nicht nur eine Idee. Man braucht Orientierung, Gesprächspartner, Rückmeldungen, manchmal auch einen Hinweis zur richtigen Zeit. Genau dafür sind solche Abende wertvoll.

SocialPizza: Wenn Sozialversicherung plötzlich praktisch wird

Ein Programmpunkt kam von der Techniker Krankenkasse. Vorgestellt wurde SocialPizza, ein Informations- und Beratungsangebot der TK für Start-ups und Gründerinnen und Gründer. Der Name klingt leicht, das Thema ist es nicht unbedingt: Sozialversicherung (https://socialpizza.tk.de/).

Bei einer Gründung denkt man meistens zuerst an Angebot, Kunden, Finanzierung, Website, Vertrieb oder Produktentwicklung. Krankenversicherung, Beiträge, Statusfragen und Sozialabgaben stehen selten ganz oben auf der Liste. Verständlich ist das schon. Klug ist es nicht immer.

Denn gerade diese Fragen können später teuer oder unangenehm werden. Bin ich haupt- oder nebenberuflich selbstständig? Was bedeutet ein Gründungszuschuss für meine Versicherung? Was passiert, wenn ich Mitarbeitende, Werkstudenten oder Minijobber beschäftige? Wie bin ich abgesichert, wenn ich länger krank werde? Und was gilt eigentlich bei mehreren Gesellschaftern oder Geschäftsführern?

SocialPizza versucht, solche Themen verständlich und entlang typischer Gründungsphasen aufzubereiten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, persönliche Beratungstermine zu buchen. Das ist sinnvoll, weil kaum eine Gründung exakt wie die andere aussieht. Gerade bei Sozialversicherungsthemen steckt der Teufel oft im Detail.

Mein Eindruck: Das war kein Werbetheater, sondern ein durchaus nützlicher Hinweis. Wer gründet, sollte sich um solche Fragen früh kümmern. Nicht erst dann, wenn ein Bescheid kommt oder plötzlich klar wird, dass man von falschen Annahmen ausgegangen ist.

Peter Gawlik: Führung ist kein Talent, sondern ein Handwerk

Der stärkste inhaltliche Impuls des Abends kam von Peter Gawlik von Crestcom Ostbayern (https://fuehrungsschule.com/) Sein Vortrag trug den Titel: „Stark führen. Menschlich bleiben. Warum gute Führung kein Talent, sondern ein Handwerk ist.“

Das Thema hat mich angesprochen, weil es einen Punkt trifft, den ich in vielen Unternehmen immer wieder sehe: Menschen kommen in Führungspositionen, weil sie fachlich gut sind. Sie waren die besten Fachkräfte, die zuverlässigsten Projektleiter, die erfahrensten Verkäufer, die engagiertesten Gründer oder schlicht diejenigen, denen man am ehesten zutraut, Verantwortung zu übernehmen. Und dann passiert etwas Entscheidendes: Die Aufgabe verändert sich.

Plötzlich reicht es nicht mehr, selbst gute Arbeit zu machen. Man muss andere Menschen in die Lage versetzen, gute Arbeit zu machen. Man muss klären, entscheiden, kommunizieren, motivieren, begrenzen, zuhören, Konflikte aushalten und Entwicklung ermöglichen. Nur gelernt hat das kaum jemand.

In der Ausbildung kommt Führung meist nicht vor. Im Studium oft auch nicht wirklich. Selbst in vielen betriebswirtschaftlichen Studiengängen wird zwar über Organisation, Märkte, Kennzahlen und Strategien gesprochen, aber nicht ausreichend darüber, wie man Menschen im Alltag tatsächlich führt. Genau da wird es gefährlich. Denn Führung ist nicht automatisch vorhanden, nur weil jemand einen Titel bekommt.

Peter Gawlik machte deutlich, welches Risiko darin liegt, wenn Unternehmen Führung dem Zufall überlassen. Fehlende Führung kostet nicht nur Stimmung. Sie kostet Leistung, Klarheit, Bindung und am Ende oft die besten Leute. Denn häufig gehen in schlecht geführten Unternehmen nicht zuerst die Schwächsten. Es gehen die Starken. Die, die Alternativen haben. Die, die merken: Hier kann ich mich nicht entwickeln. Hier wird nicht sauber kommuniziert. Hier fehlt Orientierung.

Das ist ein Punkt, den viele Unternehmen unterschätzen. Man kann viel Geld in Produkte, Technik, Prozesse und Marketing investieren. Wenn Führung nicht funktioniert, läuft trotzdem vieles ins Leere.

Das Dreieck des Erfolgs

Ein gutes Bild aus dem Vortrag war das Dreieck des Unternehmenserfolgs. Auf der einen Seite steht ein gutes Produkt oder eine starke Leistung. Auf der zweiten Seite stehen funktionierende Prozesse. Und auf der dritten Seite stehen motivierte Mitarbeitende. Alle drei Seiten sind wichtig.

Ein gutes Produkt hilft wenig, wenn intern Chaos herrscht. Saubere Prozesse bringen wenig, wenn die Menschen innerlich längst ausgestiegen sind. Motivierte Mitarbeitende können viel ausgleichen, aber nicht dauerhaft schlechte Strukturen oder ein unklares Angebot. Führung verbindet diese drei Seiten.

Sie sorgt dafür, dass Menschen wissen, worum es geht. Sie schafft Verbindlichkeit, ohne unnötig Druck zu machen. Sie erkennt Stärken, spricht Probleme an und hält Teams arbeitsfähig. Gute Führung ist deshalb kein weiches Zusatzthema, sondern ein harter Erfolgsfaktor. Das wurde im Vortrag sehr deutlich.

Und mir gefiel, dass Peter Gawlik dabei nicht in die übliche Führungsrhetorik abdriftete. Es ging nicht um schöne Schlagworte, sondern um Handwerk. Um Dinge, die man lernen, üben und verbessern kann: Kommunikation, Motivation, Mitarbeiterauswahl, Mitarbeiterbindung, Konfliktlösung, Veränderungsfähigkeit, unternehmerisches Denken, Coaching und Mentoring.

Er brachte Beispiele aus der Praxis, sprach ruhig und nachvollziehbar und vermittelte den Eindruck, dass er das Thema nicht aus Lehrbüchern kennt, sondern aus echter Führungserfahrung. Das merkt man. Und es wurde auch in Gesprächen am Rand bestätigt: Die Rückmeldungen von Menschen, die bereits an seinen Seminaren teilgenommen haben, waren offenbar sehr positiv.

Interessant ist auch das Format seiner Führungsschule: Einmal im Monat findet im TGZ ein Seminartag statt, jeweils zu einem der zentralen Führungsthemen. Das ist ein Ansatz, der mir plausibel erscheint. Führung lernt man nicht an einem Nachmittag. Aber man kann sich regelmäßig damit beschäftigen, konkrete Situationen reflektieren und Schritt für Schritt besser werden.

Menschlich bleiben heißt nicht weich werden

Der Titel des Vortrags war gut gewählt: Stark führen. Menschlich bleiben. Das ist kein Widerspruch. Menschlich zu führen bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen. Es bedeutet auch nicht, Konflikte zu vermeiden oder Entscheidungen endlos weichzuspülen. Gute Führung braucht Klarheit. Aber Klarheit ohne Respekt wird schnell hart. Und Menschlichkeit ohne Klarheit wird schnell beliebig.

Die Kunst liegt in der Verbindung. Menschen wollen wissen, woran sie sind. Sie wollen gesehen werden, aber nicht verwaltet. Sie wollen Verantwortung übernehmen, aber nicht allein gelassen werden. Sie wollen Kritik bekommen können, ohne dabei abgewertet zu werden. Und sie wollen Führungskräfte, die nicht nur fachlich etwas können, sondern auch als Persönlichkeiten tragfähig sind.

Gerade in kleineren Unternehmen ist das besonders wichtig. Dort gibt es oft keine großen Personalabteilungen, keine ausgefeilten Führungssysteme und keine langen Hierarchien. Da hängt sehr viel an einzelnen Personen. An der Inhaberin. Am Geschäftsführer. Am Teamleiter. An der Gründerin. Wenn diese Menschen führen können, entsteht Stabilität. Wenn nicht, wird es schnell mühsam.

Warum der MeetWoch sinnvoll ist

Für mich war der Abend ein gutes Beispiel dafür, wie regionale Wirtschaftsförderung praktisch aussehen kann. Nicht als große Strategie auf Papier, sondern als konkreter Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Der eine nimmt einen Hinweis zur Sozialversicherung mit. Die andere einen Gedanken zur Mitarbeiterführung. Wieder jemand anderes trifft einen Kontakt, der später wichtig werden kann. Manche Gespräche bleiben klein. Andere entwickeln sich weiter. Genau so funktioniert Netzwerk.

Der MeetWoch im TGZ Straubing ist deshalb mehr als ein netter After-Work-Termin. Er ist ein Baustein für eine lebendige regionale Gründer- und Unternehmerszene. Solche Formate schaffen keine Unternehmen. Aber sie schaffen Räume, in denen Unternehmen entstehen, wachsen und besser werden können. Und das ist nicht wenig.

Mein persönlicher Eindruck: Es war ein gut gemachter, unaufgeregter und inhaltlich sinnvoller Abend. Die Mischung aus Information, Impuls und lockerem Austausch hat funktioniert. Besonders der Vortrag von Peter Gawlik hat gezeigt, dass Führung kein abstraktes Managementthema ist, sondern eine sehr praktische Frage: Wie schaffen wir es, dass Menschen gerne, klar und wirksam zusammenarbeiten?

Für Gründerinnen, Selbstständige und Unternehmer aus Straubing und der Region lohnt es sich, solche Termine im Blick zu behalten. Nicht wegen der großen Bühne. Sondern wegen der kleinen, oft entscheidenden Gespräche.

Ein Blick in die Räume des TGZ

Nach der Veranstaltung war Andreas Löffert, Geschäftsleiter des Zweckverbands Hafen Straubing-Sand, so freundlich, mir noch einige Räumlichkeiten im TGZ und den Coworking-Space im obersten Stockwerk zu zeigen (https://www.hafen-straubing.de/start-up-kai/). Mein Eindruck: Das ist für Gründerinnen, Gründer und Unternehmen mit Standortinteresse in der Region Straubing wirklich eine Überlegung wert. Die Angebote reichen vom flexiblen Tagesticket bis zu längerfristigen Mieteinheiten und wirken damit besonders geeignet für den Unternehmensstart, für Projektarbeit oder für alle, die in Straubing-Sand einen professionellen Anlaufpunkt suchen. Ganz abgesehen davon hat das Gebäude mit seiner offenen Holz-, Glas- und Dachkonstruktion auch architektonisch eine besondere Qualität. Es fühlt sich nicht nach anonymer Bürofläche an, sondern nach einem Ort, an dem Arbeiten, Austausch und Entwicklung gut zusammenpassen.






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